Ein Fest für Bildung, Teilhabe und Zukunft

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Aus einem Holzhaus wurde eine moderne Förderschule mit 195 Schüler*innen, aus einer Tagesbildungsstätte ein Ort gelebter Inklusion: Die Wittekindshofer Johannesschule hat ihr 50-jähriges Bestehen mit einem bewegenden Festakt, einem Tag der offenen Tür und der Einweihung einer neuen barrierefreien Dreifach-Sporthalle gefeiert. 

Schulleiter Jörg Hunschede führte durch ein Programm, das Rückblick und Ausblick gleichermaßen verband – und deutlich machte, wie sehr sich Bildung für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung in einem halben Jahrhundert verändert hat.

Von der Tagesbildungsstätte zur privaten Förderschule

Heute besuchen 195 Kinder und Jugendliche die Johannesschule, Förderschule in der Trägerschaft der Diakonischen Stiftung Wittekindshof mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die Geschichte begann 1966 mit der Gründung einer Tagesbildungsstätte in einem Holzhaus. 

Zehn Jahre später, 1976, erfolgte die Umwandlung in eine Sonderschule, 1985 dann die Umbenennung in Johannesschule nach dem Lieblingsjünger Jesu. Mit den Jahren wuchs der Bedarf und damit die Anzahl der Schüler*innen. 2018 liefen die Planungen für den heutigen Standort an, 2020 war Baubeginn, zwei Jahre später folgte der Einzug in den Neubau. 

Anneliese Leemreyze, eine „Mutter der ersten Stunde“, war mit ihrem Sohn Georg 1976 dabei, als die Schule startete. Sie erinnerte sich noch gut an das Holzhaus und zeigte sich begeistert vom modernen Neubau. „Mit der Feier heute schließt sich für mich der Kreis“, sagte sie bewegt.

„Ein Lernort, der die Schullandschaft geprägt hat“

Dr. Kai Zwicker überreicht den Schülervertreterin Janina Wielens und Lion Bork stellvertretend Geschenke zum Jubiläum.

Landrat Dr. Kai Zwicker würdigte in seinem Grußwort die Bedeutung der Johannesschule für den Kreis Borken: „Die Johannesschule ist ein Lernort für viele junge Menschen, hat die Schullandschaft im Kreis Borken geprägt und steht für eine Haltung, dass Menschen mit Beeinträchtigung Teil unserer Gesellschaft sind.“

Pfarrer Marian Zachow, Theologischer Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, erinnerte an die 1970er Jahre und die ersten mutigen Vordenkenden, die Bildung ganzheitlich dachten und so aus der Tagesstätte eine richtige Schule entstehen ließen. „Es geht ohne Schulangebote wie die Johannesschule nicht in den nächsten 30 Jahren, wenn keine Unterstützung und Förderangebote bestehen“, betonte Zachow. Die Johannesschule schaffe Übergänge in Ausbildung und in Werkstätten, mit der Vision, dass vielleicht irgendwann keine besonderen Schulformen mehr gebraucht würden.

Auch André Weber, regionaler Geschäftsführer für die Region Münster/Rhein-Ruhr, hob die gesellschaftliche Bedeutung der Schule hervor: „Gerade in einer Welt, in der viele auseinanderdriften, ist die Johannesschule ein wichtiger Ort des Zusammenseins.“

„Die Schülerinnen und Schüler stehen im Mittelpunkt“

Zeit war auch für ein Podiumsgespräch, das Schulleiter Jörg Hunschede mit seiner Vorgängerin Jutta Thier-Mechelhoff, der ehemaligen Schülerin Christina Hackfort, der Schulpflegschaftsvorsitzenden Anne Herker-Orthaus sowie den Lehrerinnen Annalena Schaten und Leonie Hippe führte. Gemeinsam beleuchteten sie den Stellenwert der Schule in der Gesellschaft.

Jutta Thier-Mechelhoff, die viele Jahre an der Johannesschule tätig war, erinnerte sich: „Egal ob früher oder heute, die Schülerinnen und Schüler standen immer im Mittelpunkt.“ Sie erzählte von Zeiten, in denen die Schüler*innen noch keine persönlichen Rollstühle hatten und Nestschaukeln selbst gebaut wurden. Als symbolisches Geschenk überreichte sie einen Kompass: „Damit ihr trotz all der Irrungen und Wirrungen bei Finanzen, in der Gesellschaft oder Politik den Weg nicht verliert und das Ziel vor Augen habt.“

Nach dem Ende ihrer Schullaufbahn 2006 arbeitete Christina Hackfort zunächst in den Wittekindshofer Werkstätten, machte dann eine Ausbildung und kümmerte sich im Altenheim um an Demenzerkrankte. Heute arbeitet sie wieder in den Werkstätten. Ihr Geschenk an die Schule: ein Turnschuh. „Damit alle ihren Weg weiterlaufen und ein gutes Arbeitsverhältnis in der Werkstatt oder auf dem Arbeitsmarkt bekommen.“

Die beiden Lehrerinnen Annalena Schaten und Leonie Hippe griffen den Faden der Vorrednerinnen auf: „In der Johannesschule dreht sich wie zu Anfangszeiten noch immer alles um das Individuum und dessen Möglichkeiten, die es zu fördern und zu stärken gilt.“ Als Geschenk überreichten sie zwei Puzzlestücke mit einem Foto des Kollegiums – als Symbol für ein starkes Ganzes, in dem jedes Puzzleteil wichtig ist.

Schulpflegschaftsvorsitzende Anne Herker-Orthaus brachte die Perspektive der Eltern ein: „Die Menschen, die in der Schule arbeiten, und deren Sichtweise auf die Menschen, die hier zur Schule gehen, machen die Johannesschule zu etwas Besonderem.“ Ihr Geschenk: eine Modellhand als Symbol dafür, sich von den Schüler*innen an die Hand nehmen zu lassen und auf ihre Wünsche einzugehen.

Schulleiter Jörg Hunschede selbst schenkte der Johannesschule zwei Magneten. „Sie stehen für den Zusammenhalt, der die Johannesschule auszeichnet. Aber auch dafür, dass wir für unsere Schüler*innen gemeinsam einstehen, trotz knapper werdender Ressourcen und politischem Druck.“

Eine Sporthalle für alle

Ein weiterer Höhepunkt der Jubiläumsfeier war die Einweihung der neuen barrierefreien Dreifach-Sporthalle. Die Investitionskosten beliefen sich auf rund 7,25 Millionen Euro. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof als Bauherrin trägt rund zwei Drittel der Kosten, die Stadt Gronau rund ein Drittel und hat außerdem die Kosten für die Tribünenanlage übernommen.

Für die Sporthalle wurde ein umfassendes Barrierefrei-Konzept erarbeitet und vollständig umgesetzt. Sporttreibende erreichen das Gebäude, die Umkleiden und die Sporthalle barrierefrei. Zu den besonderen Ausstattungsmerkmalen gehören zwei Pflegebäder im Zentrum der baulichen Anlage, großzügige Dusch- und Umkleidemöglichkeiten in zwei Umkleiden sowie berührungslose Taster auf der Innenseite der Sporthalle: Die Tür öffnet sich automatisch, wenn sich eine Person dem virtuell erfassten Bereich nähert.

Die neue Sporthalle ist die erste eigene Sporthalle der Johannesschule. Sie soll lange Wege und aufwendige Fahrten zu anderen Hallen vermeiden und ermöglichen, dass alle 195 Schüler*innen mit geistigen und mehrfachen Beeinträchtigungen am Sportunterricht teilnehmen können. Durch die neue Halle sollen die motorische und soziale Förderung sowie die inklusive Zusammenarbeit mit der benachbarten Grüne-Aue-Schule und Gronauer Sportvereinen gestärkt werden.

Bürgermeister Jörg von Borczyskowski betonte: „Die Halle soll die Johannesschule und die voraussichtlich im Herbst 2027 fertiggestellte Grüne-Aue-Schule nicht nur geografisch verbinden, sondern einen Beitrag zu einem starken Zusammenwachsen leisten. Inklusion wird dort konkret, wo Menschen zusammenkommen, wie beim Sport. Man muss nicht alles gleichgut können, aber man kann gemeinsam spielen, jubeln, gewinnen und auch mal verlieren.“

Marina Borninkhof, stellvertretende Leiterin der Grundschule, teilte diese Ansicht und ist davon überzeugt, dass die beiden Schulen den neuen Ort gemeinsam mit Leben füllen werden: „Heute sind gegenseitige Toleranz und Respekt wichtiger denn je.“

Sportliche Einweihung

Die Gruppe der Tagesstrukturierenden Angebote (TSA) animierte die Anwesenden beim Sitztanz zum Mitmachen. Kinder der Grüne-Aue-Schule zeigten einen einstudierten Tanz. 

Zur sportlichen Einweihung der Dreifachhalle stand ein Spiel zwischen den Blauen Löwen der Johannesschule und einer Auswahl aus Stadtverwaltung, Wittekindshof und Lehrerkollegium auf dem Programm. Am Ende gewannen die Blauen Löwen knapp mit 3:2.